
Maurizia
Pala, die in Bitti Kind war, Mädchen, Braut und Mutter von fünf
Kindern,
hat bei allen religiösen und nichtchristlichen Festen, bei einer ersten
Kommunion oder einer Hochzeit,
wenn die kundigen Frauen mit geheimnisvoller Hingabe Süßigkeiten
in zahlreichen Formen
und mit verschiedensten Düften herstellten, beobachtet, geholfen und
gelernt und war entschlossen,
in die Geheimnisse dieser Kunst einzudringen.
Man kann es sich nicht anders als eben mit dieser starken Berufung erklären,
warum Maurissa,
wie sie noch zu Hause und in Bitti genannt wird, kaum daß sie mit
der Familie nach Cagliari
umgezogen war, sich der handwerklichen Herstellung nicht nur Bittier Zuckerwerks
widmete,
sondern nach ausführlichen Nachforschungen in ganz Sardinien
auch einer Auswahl von Süßigkeiten der gesamten Insel.
Eigentlich
ist das kleine Dorf Bitti in der Provinz Nuoro
durch den Autor des wichtigsten sardischen Wörterbuchs,
den Sprachwissenschaftler Max Leopold Wagner, berühmt geworden.
Im dortigen Sardisch sei das Latein aus klassischer Zeit
in Lexik und Aussprache noch am reinsten erhalten.
Wenn nun Bitti den Berufung hat, die ihm von der Geschichte anvertrauten,
kleinen und großen Schätze zu hegen, ist es nicht verwunderlich,
daß eine Bittierin
in Handarbeit Süßes sardischer Tradition herstellt, wobei sie
genauestens
die Verfahren ihrer Ahnen, oder besser Ahninnen befolgt.
Wer
Maurissas Kompromißlosigkeit kennt weiß, warum sie bei ihren
Meisterstücken
handwerklicher Köstlichkeiten keine Konservierungsstoffe und ausschließlich
natürliche
und zur Tradition gehörige Zutaten erlaubt.
Das einzige Zugeständnis, das Maurissedda an moderne Errungenschaften
macht,
ist, ihre Süßigkeiten per Flugzeug zu verschicken.
Davon haben sie ihre Kinder, die in ihrem Unternehmen mitwirken, überzeugt.
Sie haben ihr erklärt, daß nur auf diese Weise Zilicas und Amarettes
ganz frisch
nach Frankfurt und Los Angeles gelangen.
Und so kann die kleine Dame aus Bitti in Ruhe arbeiten.